Ein besonderes Rosenkranzgebet

8. Oktober 2017


Normalerweise ist es ja eher so, dass das Rosenkranzgebet eine eher unauffällige, stille Form des Gottesdienstes ist. Allein oder in kleiner Gruppe wird es gebetet, meditativ, kontemplativ, den Glauben reflektierend. Ich hatte das kürzlich erläutert.

Nun beteten “Zehntausende” (Tagesschau.de) Polen verabredungsgemäß gemeinsam den Rosenkranz. Nachdem “Hunderttausende” (Catholic News Agency) oder gar “eine Million” (Kath.net) erwartet wurden, ist das zwar etwas ernüchternd, aber was soll’s.

Entscheidend ist doch wohl, dass die “Aktion” (Tagesschau.de) “umstritten” (Tagesschau.de) ist, da es sich eigentlich gar nicht um ein Rosenkranzgebet handelte. Eigentlich. So kann Tagesschau.de dann auch den Rosenkranz in die Uneigentlich-Gänsefüßchen setzen: “Umstrittene ‚Rosenkranz‘-Aktion in Polen”.

Eigentlich ist die “Aktion” (Welt.de) nämlich eine “islamophobe”. Wenn Marek Jedraszewski, der Erzbischof von Krakau, etwa meint, die Menschen beteten im Vertrauen darauf, dass Gott ihnen helfen werde, “alle Schwierigkeiten zu überwinden”, dann meint er natürlich den Islam. Und wenn die Initiatoren der Stiftung “Solo Dios Basta” meinen, sie wollten mit dem Gebetsaufruf “uns auch entschuldigen und jegliche Gotteslästerung wiedergutmachen”, dann meinen sie natürlich den Islam. Und wenn auf ihrer Website steht, das Rosenkranzgebet sei “eine mächtige Waffe im Kampf gegen das Böse”, dann meinen sie… Ich glaube, Sie haben das Prinzip verstanden.

Dazu passt dann auch, dass es von der Stiftung heißt, der militärische Sieg der Europäer gegen die Osmanen bei der Seeschlacht von Lepanto im Jahr 1571 habe die “Islamisierung Europas” verhindert. Das ist zwar als historisches Faktum nicht völlig von der Hand zu weisen, aber wenn eine islamophobe Stiftung das sagt, dann ist das eben islamophob. Und auch die Mahnung des Krakauer Erzbischofs an Europa, zu den christlichen Wurzeln zurückzukehren, ist islamophob. Wo kämen wir hin, wenn ein Christ seine Überzeugung, das Christentum sei etwas Gutes für die Menschen, ungestraft sagen dürfte, so ganz ohne Islamophobievorwurf?

Da ist es nur zu verständlich, dass die Qualitätspresse diesen erhebt und feststellt, einige Menschen sähen das Gebet “explizit gegen Muslime gerichtet” (Welt.de), eine Auffassung, die man sich nur zu gerne zu eigen macht. Gegen wen oder was soll es denn sonst gehen? Gut, vielleicht “gegen den Islam” (Tagesschau.de). Da können Polens Bischöfe “die Kundgebungen” (Tagesschau.de) noch dreiduzendmal als “Gebet für den Weltfrieden” tarnen.

Wie gut, dass Tagesschau.de und Welt.de und *.de insgesamt der Islamophobie der islamophoben Katholiken nicht auf den Leim gehen!

(Josef Bordat)

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