In Australien hat sich eine Kommission, deren Aufgabe es u.a. ist, Vorschläge für eine Rechtsreform zur Prävention von sexuellem Missbrauch zu erarbeiten, für die Aufhebung des Beichtgeheimnisses in den Fällen ausgesprochen, in denen ein Missbrauch gebeichtet wird.

Kindeswohl gehe nun mal vor Religionsfreiheit, so lautet die gängige Rezeption dieses Vorschlags außerhalb der Kirche. Das jedoch geht an der Sache vorbei. Denn es nützt keinem Kind, wenn Menschen ihre Religionsfreiheit nicht mehr ausüben dürfen.

Denn das steht ja bei einer entsprechenden Regelung unter dem Strich: Die Beichte wird nicht mehr von denjenigen abgelegt, die fürchten müssen, das gebeichtete Fehlverhalten werde öffentlich. Ganz gleich, ob man es auf die Straftat des sexuellen Missbrauchs beschränkt oder andere Kapitalverbrechen ebenfalls meldepflichtig macht.

Im übrigen wird hierzulande (also: in Deutschland) das generelle Fehlen einer Anzeigepflicht bei Kenntnis von sexuellem Missbrauch gerade mit dem Kindeswohl begründet: Es diene dem Opferschutz, wenn sich Angehörige, die sich gegen die Erstattung einer Anzeige entscheiden, nicht strafbar machen. Hintergrund ist hier, dass 70 Prozent der Missbrauchsfälle im familiären Umfeld vorkommen.

Die Beichte ist ein Sakrament. Der sakramentale Raum, den die Beichte aufspannt, ist der Welt insoweit entzogen, als in ihm andere Regeln gelten: Vergebung (und nicht Strafe) als Folge des reuevollen Bekenntnisses von Schuld, Wiedergutmachung als Vorsatz, nicht als Voraussetzung von Versöhnung.

In der Beichte geht diese von Gott aus, nicht vom Menschen. Das ist Kern des Glaubens derer, die zur Beichte gehen. Die Freiheit, diesen Glauben uneingeschränkt auszuüben, muss erhalten bleiben. Dazu gehört, dass kein Mensch das Recht hat, das, was im Rahmen der Beichte zwischen Gott und Mensch geschieht, Dritten weiterzutragen.

Gleichzeitig muss die Kirche – wie andere Institutionen auch – die Prävention stärken. Das geht aber nicht über das Sakrament der Beichte. Mit der Aufhebung des Beichtgeheimnisses wäre Niemandem gedient, aber vielen geschadet.

(Josef Bordat)

%d Bloggern gefällt das: