Obama ist für die Homo-Ehe, sein Volk ist dagegen. Die Kirche übrigens auch

11. Mai 2012


US-Präsident Barack Obama hat im Wahlkampf klargestellt, dass er für die Homo-Ehe eintritt. Sein Volk ist dagegen, wie Meinungsumfragen belegen. Auch die Katholische Kirche lehnt die so genannte „Homo-Ehe“ ab, weil sie homosexuelle Partnerschaften grundsätzlich anders bewertet als heterosexuelle. Einige Erläuterungen aus christlich-katholischer Sicht.

Nicht jede Diskriminierung ist schlecht.

Ohne Diskriminierung könnte keiner von uns nur wenige Wochen überleben. Wir unterscheiden ständig und behandeln Dinge, die ähnliche oder sogar – von außen betrachtet – die gleichen Eigenschaften haben, in ungleicher Weise. Ein Außerirdischer hätte wohl bei einer Analyse meines Lebens große Schwierigkeiten, eine sinnvolle Erklärung dafür zu finden , dass ich meine Frau augenscheinlich anders behandle als meine Chefin oder unsere Nachbarin, obgleich es sich in allen drei Fällen um Vertreter von homo sapiens sapiens weiblichen Geschlechts handelt, Unterschiede qua natura also herausfallen. Die Diskriminierung hat – das gelte es für den Außerirdischen herauszufinden – keine biologisch-natürlichen, sondern kulturelle Gründe, Unterschiede qua cultura.

Ein anderes Beispiel: Die Bundeskanzlerin hat einen Dienstwagen, den der Steuerzahler bezahlt, ich habe keinen Dienstwagen, erst recht keinen, den der Steuerzahler bezahlt. Das ist Ungleichbehandlung! Wieso bekommt Merkel etwas, das ich nicht bekomme! Ganz einfach: Wäre ich Bundeskanzler, hätte ich auch Anspruch auf einen Dienstwagen. Offenbar fehlt mir aber die Fähigkeit und/oder die Bereitschaft, dieses Amt zu übernehmen, sonst hätte ich es ja inne. Jetzt – ganz ohne Dienstwagen – beleidigt zu sein und auf Frau Merkel zu schimpfen, bedeutete ja nur, dass ich ein wesentliches Prinzip der Gerechtigkeit nicht verstanden hätte: Ungleiches darf nicht gleich behandelt werden. Oder anders: Ungleichbehandlung findet berechtigterweise aufgrund von vorliegender Ungleichheit qua natura und / oder qua cultura statt.

Zur Frage, ob und inwieweit in der Förderung von Paarbeziehungen staatliche Diskriminierung zulässig ist.

Es geht bei der Ehe aus Sicht des Staates um die Fähigkeit und die Bereitschaft, eigenen Nachwuchs aufzuziehen und damit das Gemeinwesen zu erhalten. Das ist der natürliche Aspekt der Ehe, der vom Staat finanziell gefördert wird, weil er sich kulturell auswirkt. Es geht bei der Ehe aus Sicht der Kirche um die Fähigkeit und die Bereitschaft, sich gemäß der Schöpfungsordnung Gottes zu verhalten. Das ist der Aspekt der Ehe, der von der Kirche gefördert wird, ebenfalls, weil Natur und Kultur harmonisch ineinander greifen. Es ist klar, dass dann nur – bei allem Respekt vor anderen Lebensentwürfen – die Verbindung von Mann und Frau, die prinzipiell offen ist für Kinder, vom Staat gefördert und von der Kirche gesegnet werden kann.

Wenn Homosexualität eine ganz natürliche Sache ist, und dafür könnte nach wissenschaftlichen Erkenntnissen einiges sprechen, dann sind die 2 bis 10 Prozent Homosexuellen von der Natur in diesem Punkt eben schlicht benachteiligt, nämlich hinsichtlich der Fähigkeit, eigenen Nachwuchs aufzuziehen, sowie der Bereitschaft, sich gemäß der Schöpfungsordnung Gottes zu verhalten.

Warum die Schöpfungsordnung Gottes eine Rolle spielt.

Die Schöpfungsordnung Gottes sieht eine Verbindung von Mann und Frau vor. Für die Arterhaltung war das mal sehr wichtig. Daher sind Mann und Frau als sich ergänzende Pole des Menschseins geschaffen. Der Mensch, der uns gegenübertritt, das empirische Subjekt, ist als Mann oder als Frau geschaffen, zugleich ist das Menschseins nur so zu verstehen, dass der Mensch, das transzendentale Subjekt, als Mann und Frau geschaffen ist. Der Mensch im Sinne der „Menschheit“ kann nicht eingeschlechtlich existieren. Die Kirche meint, dass der Mensch, der nicht das andere, sondern das eigene Geschlecht sucht, diese Existenzbestimmung, die ihm von Gott her zukommt, verfehlt: Mann und Frau zu sein, fruchtbar zu sein, gemeinsam zu „herrschen“. Daher gelte es – auch heute noch – die Schöpfungsordnung zu achten und zu beachten.

Der Grundsatz im Umgang mit Homosexuellen lautet: Jedem Menschen gebührt Respekt, aber nicht jedem Verhalten. Ich kann verstehen, dass das nicht ganz einfach zu verstehen ist. Dazu muss das Wesen des Menschen als eine Seinsqualität angenommen werden, die unabhängig von dem ist, was er tut oder sagt oder denkt. Darin leuchtet die unbedingte Würde des Menschen auf, die ebenso schöpfungstheologisch begründet ist, als eine von Gott gestiftete „Fremdwürde“. Hier schließt sich der Kreis von Schöpfung, Wesen und Würde und man erkennt eine Ordnung. Es steht viel auf dem Spiel (nämlich das Wesen des Menschen und seine Würde), wenn wir diese Schöpfungsordnung ad acta legen oder versuchen, sie nach Gutdünken auszuschlachten, um das herauszupicken, was heute gerade noch nützlich scheint. So geht das nicht, denn es geht ums Ganze: Wenn Sexualität für den Menschen wesentlich ist (und das ist sie), dann darf sie das Wesen des Menschen nicht verfehlen.

Das personale Wesen des Menschen zeigt sich in seiner vollen Gestalt nur in Mann und Frau. Denn: „Als Mann und Frau schuf er sie.“ Darin liegt die besondere Würde des Menschen, sein gottähnliches Wesen, das ihn als Geschöpf zum Abbild des Schöpfers macht. Im größten Geschenk des Schöpfers an sein Geschöpf, der Sexualität als Ausdruck der Liebe, sollen die getrennten Geschlechter wieder in vorbehaltloser Hingabe zusammenkommen. Das ist die Idee, die im übrigen dazu führt, dass es nach wie vor überhaupt noch Menschen gibt. Im Klartext: Die vielbeschworene „Zukunft der Menschheit“ wäre schon längst in Gefahr geraten, wenn Gott nicht die Verbindung von Mann und Frau als derart konstitutiv für den Menschen bzw. die Menschheit gestiftet hätte und Ihm in dieser Hinsicht Kirche und Staat nicht seit Jahrhunderten gefolgt wären.

Das kann man im Zeitalter der Reproduktionsmedizin als „überholt“ ansehen, aber das nimmt von der fundamentalen Bedeutung der Schöpfungsordnung für das Menschsein nichts weg. Wenn man ganz aufhört, die besondere Auszeichnung der Ehe durch Gott, durch die Kirche und durch den Staat anzuerkennen, gefährdet man – die Verallgemeinerungsfähigkeit des Verhaltens vorausgesetzt (Warum sollten nicht künftig 90 Prozent der Menschen homosexuell sein dürfen? Oder auch alle?) – tatsächlich in ganz trivialer Weise die Zukunft der Menschheit, indem man deren Fortbestand abhängig macht von künstlicher Fertilisation. Damit unterschätzt man die Bedeutung der natürlichen Reproduktion, wie sie in der Schöpfungsordnung vorgesehen ist. „Seid fruchtbar und mehret Euch!“ ginge dann nicht mehr aus dem Menschsein heraus, sondern wäre von technischen Hilfen abhängig. Das kann fatale Folgen haben. Insoweit spielt die Schöpfungsordnung Gottes auch heute im Zeitalter der Reproduktionsmedizin noch eine Rolle. Weil sie sinnvoll und gut ist.

Wenn homosexuell, dann konsequent.

Wenn Homosexuelle konsequent leben und überdies andere Menschen nicht als bloßes Mittel zum Zwecke der Reproduktion instrumentalisieren wollen (was an sich schon ein Verstoß gegen die humanitas-Formel des kategorischen Imperativ Immanuel Kants darstellte), sind sie zur Nachkommenschaft nicht fähig (müssen also konsequenterweise kinderlos bleiben). Zur Achtung der Schöpfungsordnung sind sie überdies nicht bereit.

Das ist ja auch alles gar kein Problem. Das steht ihnen zu. Das ist Freiheit. Gott ist damit so großzügig, dass Er – als Teil Seiner Ordnung! – dem Menschen sogar ermöglicht, sich gegen eben diese Ordnung zu stemmen, die Er, Gott, eigens für ihn, den Menschen, gemacht hat. Die gleichgeschlechtlichen Partner müssen dann aber folgende Implikation zur Kenntnis und in Kauf nehmen: Weil ihre Verbindung grundsätzlich (und zwar qua natura) einen anderen Charakter hat, muss sie von daher kulturell auch anders gedeutet werden als eine auf Nachkommen gerichtete Verbindung, wie sie Staat und Kirche als förderungswürdig erachten. Ich sage nicht: Sie ist schlechter. Ich sage auch nicht: Sie ist besser. Ein Vergleich verbietet sich, weil es schlicht etwas völlig anderes ist, wenn zwei Männer versuchen, eine Familie zu gründen oder wenn dies ein Mann und eine Frau versuchen. (Es geht in beiden Fällen um den Versuch, nicht um den Erfolg, nur ist der Versuch im ersten Fall nicht nur weit weniger aussichtsreich als im zweiten, sondern schlicht von vorne herein und für alle Menschen erkennbar zum Scheitern verurteilt.)

Vielleicht sind homosexuelle Menschen dafür im Durchschnitt intelligenter, schöner, die erfolgreicheren Buchautoren – alles möglich. Vielleicht haben sie beglückende Erfahrungen, die ich als heterosexueller Mensch meiner Natur nach nicht machen kann. Auch möglich. Damit muss ich wiederum leben! Aber eins ist klar: Hinsichtlich der Partnerschaft, die sie eingehen, weichen sie von dem ab, was Gemeinwesen und Glaube seit Jahrhunderten aus guten Gründen (Selbsterhalt und Gottgefälligkeit) belohnen. Selbst wenn der Staat von dieser Sitte nach und nach abweicht, bedeutet das nicht, dass damit auch die Kirche abzuweichen hat. Es bedeutet schlicht, dass die Verantwortlichen im Staat nicht lange genug darüber nachgedacht haben, was sie damit über den Menschen und das Gemeinwesen aussagen.

Keine Gewalt, kein Hass, sondern Vernunft und Gerechtigkeit.

Das bedeutet nun nicht, dass Staat und Kirche Homosexuelle bestrafen sollten (etwa durch Sanktion oder Ächtung). Keineswegs! Staat und Kirche bestrafen ja auch nicht Ehe- oder Kinderlosigkeit. Im Gegenteil: der deutsche Staat und die katholische Kirche sollten sich gegen jede Form von Gewalt gegen Homosexuelle wenden und die Täter zur Rechenschaft ziehen – strafrechtlich, aber auch pastoral.

Aber: Staat und Kirche sollten Homosexualität eben auch nicht belohnen, ohne Vorliegen der entsprechenden Gründe. Der ausbleibende Lohn hat nichts mit „Hass“ zu tun, sondern mit Vernunft. Denn: Trotz der wesentlichen Ungleichheit des natürlichen Charakters der partnerschaftlichen Beziehung kulturell die gleiche Förderung und den gleichen Segen zu erwarten, das ist unvernünftig. Ungleiches gleich zu behandelt, ist zudem ungerecht. Insoweit kann ich an einer Ablehnung der Homo-Ehe durch die Kirche als Akt der vernünftigen Diskriminierung zwischen ungleichen Sachverhalten nichts falsch finden. An der Homo-Ehe als kulturelle und rechtliche Gleichstellung einer Partnerschaft von Männern oder Frauen mit einer Familie, wie sie Obama vorschwebt, hingegen alles.

(Josef Bordat)

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