„Das macht die Bundesliga auch nicht spannender!“

22. November 2014


Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ (W-IS) in der Kritik

Die Berliner Zeitung ist einem erschütternden Skandal ungeheuerlichen Ausmaßes auf die Schliche gekommen: „Tausende Schuhkartons gefüllt mit neuen Kleidern, Süßigkeiten, Hygieneartikeln oder Spielzeugen werden in diesen Tagen in Berlin auf Lkws gepackt und nach Osteuropa, Georgien und selbst in die Mongolei gebracht. Dort erhalten bedürftige, von dortigen Kirchengemeinden ausgewählte Kinder jeweils ein Paket.“ Das muss man sich mal vorstellen! Selbstverständlich freuen sich die Kinder, aber darum kann es ja nun wirklich nicht gehen!

Doch es ist ja alles noch viel schlimmer. Die Berliner Zeitung weiß nämlich, „was viele nicht wissen“, und zwar: „Hinter der Aktion steht eine evangelikale-freikirchliche Organisation, die bei der Vergabe der Spenden vor Ort den Missionierungsgedanken verfolgt“. Es ist zwar grundsätzlich schwer zu sagen, welchen Gedanken jemand verfolgt (oder ob überhaupt), aber allein der Verdacht, man gaukle „ausgewählten Kindern“ vor, Weihnachten habe etwas mit Jesus zu tun, rechtfertigt eigentlich so ziemlich jede rechtsstaatliche Maßnahme gegen Initiatoren und Teilnehmer der Aktion.

Verdacht? Ho, ho, ho! Es gibt Beweise! Handfeste. In „Internet-Videos“ sei, so die Berliner Zeitung, deutlich zu sehen, wie „bei der Geschenkvergabe in einem ostslowakischen Dorf“ den Kindern nicht nur „Kleider, Süßigkeiten, Hygieneartikel oder Spielzeug“ gegeben worden sei, sondern auch „sogenannte Bibelhefte“. Das muss man sich mal vorstellen! Ich meine, da kursieren im „Internet“ offenbar „Videos“, auf denen eindeutig zu sehen ist, wie Kindern „sogenannte Bibelhefte“ ausgehändigt werden! Zu Weihnachten! Und die Welt schaut tatenlos zu.

„In den Bibelheften wird erklärt, was die christliche Botschaft bedeutet“, meint eine deutsche W-IS-Unterstützerin gegenüber der Berliner Zeitung. Wie viele es genau sind, die aus Deutschland heraus W-IS unterstützen, weiß auch die Berliner Zeitung nicht. Die Behörden schätzen ihre Zahl auf „einige Hundert“, allein in Berlin sollen es mindestens 60 bis 80 sein. Menschen, die Kinder mögen, ihnen Geschenke machen und zu Weihnachten die Weihnachtsbotschaft verkündigt wissen wollen. Viele von ihnen leben völlig unauffällig unter uns, gehen einer sozialversicherungspflichtigen Festanstellung nach, haben sogar Abitur. Die Veränderungen, die sie zu W-IS führen, fallen ihren Angehörigen oft erst dann auf, wenn es zu spät und der Geschenkkarton schon „nach Osteuropa, Georgien und selbst in die Mongolei“ unterwegs ist.

Die Katholische Kirche kritisiert W-IS wegen mangelnder entwicklungspolitischer Wirksamkeit. So habe es W-IS bislang pflichtwidrig versäumt, für die „langfristige Verbesserung der Lebensumstände“ aller Menschen (und kommender Generationen) zu sorgen, eine im Bistum Trier nicht unübliche Mindestanforderung an ein Weihnachtsgeschenk. Kritik kommt auch von der FIFA: „Das macht die Bundesliga auch nicht spannender!“, wird ein Funktionär zitiert, der aus Angst um seine Position und die damit verbundene langfristige Verbesserung seiner Lebensumstände nicht genannt werden will.

Inkonsequenterweise fordert die Berliner Zeitung trotz dieser erdrückenden Fakten kein „rasches Eingreifen“ (Barack Obama). Das allerdings dürfte unumgänglich sein. Sonst kommt es am Ende noch zu einer Verbreitung der Weihnachtsbotschaft bis „nach Osteuropa, Georgien und selbst in die Mongolei“. Oder gar nach Ost-Berlin. Und das kann niemand wollen. Zumindest niemand bei der Berliner Zeitung. Oder im Bistum Trier.

(Josef Bordat)

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