Zu dieser Fragestellung habe ich einen Essay für eine Tagespost-Beilage der Schwangerenberatung 1000plus verfasst, die morgen erscheint. Bereits heute ist der Text online verfügbar.

In dem Beitrag lege ich dar, wie sich eine „Kultur des Wertrelativismus“ auch und gerade in Bezug auf das Leben auswirkt, den absoluten Grund aller Werte und aller Kultur: „Wenn schon das Lebensrecht Gegenstand eines Abwägungsprozesses sein kann, wenn sich der Mensch für oder gegen das Leben entscheiden darf, dann ist nichts mehr sicher. Dann ist der totale Sieg des liberalistischen Utilitarismus‘ greifbar nahe, der alles mit einem Preisschild versieht, der in der praktischen Konsequenz seiner Maxime vom größtmöglichen Nutzen zwischen Opportunismus und Egoismus oszilliert. Dann gibt es keine absoluten Werte mehr, keine unbedingte Pflicht. Und das Absolute? Gott? Bewahre! Mit der Abtreibung, der systematischen Einrichtung zur Tötung des eigenen Nachwuchses, steht alles zur Disposition“.

Das bedeutet: „Moralische Maßstäbe gehen verloren, Gut und Böse verlieren ihre Bedeutung. Denn wo sonst ist die Zuschreibung zeit-, raum- und kulturübergreifend so eindeutig wie beim Lebensrecht des Menschen beziehungsweise beim Tötungsverbot? Wer dafür ist, handelt gut, wer dagegen handelt, ist böse. Das steht nun in Frage. Die philosophische Ethik heute versucht ohne sie, ohne Gut und Böse auszukommen, sucht die Moralität ‚jenseits‘ der grundlegenden Werturteile (Nietzsche), analog zur Epistemologie, die vor 80 Jahren das Konzept ‚Wahrheit‘ verabschiedet hat. Der Subjektivismus hat auf beiden Gebieten eine Wüste der Beliebigkeit hinterlassen. Unsere Vernunft und unser Gewissen, menschliche Instanzen, die hierbei die rettende Oase bilden sollten, sind überfordert und unvorbereitet. Es gibt in dieser Wüste kein Wasser des Lebens“.

Die Abonnentinnen und Abonnenten der Tagespost bitte ich um besondere Beachtung der Beilage, die neben dem erwähnten Essay zahlreiche interessante Beiträge zur Arbeit von 1000plus enthält.

(Josef Bordat)

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