Viele werden sich in diesen Tagen die Frage stellen, ob und wie die offenen Punkte des Pontifikats Benedikts in Franziskus‘ Pontifikat übernommen werden. Etwa das Thema der Entweltlichung, das Benedikt während seines Deutschlandbesuchs im September 2011 aufgriff. Was wird daraus bei Franziskus? In seiner ersten Predigt erlangt das ekklesiologische Programm Papst Franziskus‘ vielleicht schon ein wenig Konturen und die Frage damit eine erste vorläufige Antwort.

Voranschreiten, aufbauen, bekennen. In dynamischen Tätigkeitswörtern umreißt er dem Kardinalskollegium im Gottesdienst Pro ecclesia den Auftrag Gottes an jeden einzelnen von ihnen und jeden Gläubigen überhaupt: Christus nachfolgen, Christi Kirche aufbauen, sich klar zu Christus bekennen. Das Christusbekenntnis ist das Bekenntnis zum Evangelium, das Bekenntnis zum Guten, zugleich die Absage an das Böse und die Absage an die Welt, soweit sie von Gott abzulenken droht. Tägliche Tauferneuerung für alle, die zur Nachfolge berufen sind.

Das Christusbekenntnis ist aber zugleich ein Bekenntnis zum Kreuz. Franziskus predigt gegen „Schönwetterchristentum“. Er warnt vor einer falschen Leichtigkeit des Christseins, das es sich bequem gemacht hat. Statt dessen wünscht er sich, „dass wir alle nach diesen Tagen der Gnade den Mut haben – wirklich den Mut – in Anwesenheit des Herrn zu schreiten, mit dem Kreuz des Herrn; die Kirche auf dem Blut des Herrn aufzubauen, das am Kreuz vergossen wurde; und uns zur einzige Herrlichkeit zu bekennen, zum gekreuzigten Christus. Und so wird die Kirche voranschreiten.“

Papst Franziskus stellt die entscheidende Frage unseres Lebens in erfrischender Klarheit: Woran richtest du dich aus? An Gott oder der Welt? An Christus oder dem Teufel? Am Guten oder am Bösen? Hier geht es nun nicht darum, zum Genozid an Nichtkatholiken aufzurufen, wie besorgte Kommentaristen fürchten, sondern uns, die wir grundsätzlich Gottes Zusprache beantwortet, Seine Anfrage bejaht haben, die wir damit in der Nachfolge Christi stehen, daran zu erinnern, dass unsere Orientierung immer in der Gefahr steht, die Richtung zu wechseln, weg von Gott, hin zur Welt, angetrieben von der Verlockung raschen Fortschritts.

Das Voranschreiten im Aufbau der Kirche bekommt durch die Abhängigkeit der Christen vom Bekenntnis eine radikale Ambivalenz: Mit Gott geht es hinauf zum Guten, ohne Gott hinab zum Bösen. Die Kirche lässt sich dauerhaft nur auf dem Fels des Glaubens errichten. Franziskus sagt: „Wir können so viel schreiten, wie wir wollen, wir können viele Dinge aufbauen, aber wenn wir uns nicht zu Jesus Christus bekennen, dann funktioniert das nicht. Wir werden ein bemitleidenswertes Ding, aber nicht die Kirche, die Braut des Herrn.“ Hier ist Franziskus – wenn ich es richtig sehe – sehr nah bei Benedikt, dessen Entweltlichungsforderung hier mit einer deutlichen Verweltlichungskritik untermauert wird. Immer für die Kirche – pro ecclesia.

(Josef Bordat)

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